FreshDetect

Interview mit Sandra, Marketing- und Kommunikationsmanagerin bei Freshdetect

Können Sie bitte in einigen Worten beschreiben, was FreshDetect ist (Ziele, Gründung, Team, Ort, …)?

Die FreshDetect GmbH aus Pullach bei München entwickelt und vermarktet innovative Messgeräte sowie Lösungen zur schnellen und engmaschigen Qualitätskontrolle in der Lebensmittelindustrie. Mit dem Handmessgerät freshdetect BFD-100 lassen sich Lebensmittel (z. Zt. Fleisch) sekundenschnell, sicher und kostengünstig hinsichtlich Bakterien (Gesamtkeimzahl) überprüfen. Dies ermöglicht erstmals eine mengenmäßig umfassende und präventive „mikrobiologische“ Qualitäts- und Prozesskontrolle von der Schlachtung bis zur Fleischtheke. So lassen sich sämtliche Fleischwaren vor Ort untersuchen und der Händler oder Verkäufer kann die Qualitätsanforderungen zuverlässig erfüllen. Zudem können die Abläufe in der Produktion analysiert und entsprechend optimiert werden – zu Gunsten der Produktionskosten für den Unternehmer und für eine bessere Qualität der Ware bei den Endverbrauchern.

Die Mitarbeiter der FreshDetect GmbH sind Experten im Bereich der Mikrobiologie und der spektrometrischen Messtechnik. Sie verfügen über langjährige Erfahrungen in der Lebensmitteltechnologie und im Umgang mit mikrobiologischen Daten.

Im Zusammenhang mit den Gammelfleischskandalen Mitte des letzten Jahrzehnts hat die Politik einen Forschungsverbund aus Fraunhofer-Institut IZM, Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut und Max-Rubner-Institut aufgefordert, nach Schnellmethoden zu forschen, die solche Skandale vermeiden sollen. Die Forscher wiesen mittels Fluoreszenzspektroskopie einen Zusammenhang zwischen bakterieller Belastung und Fluoreszenzsignaturen nach. Ein nachfolgendes Projekt mit mittelständischen Firmen (ZIM Projekt) entwickelte einen ersten Prototyp. Aus dem ZIM Projekt entstand 2013 die FreshDetect GmbH, die das gleichnamige Gerät zur Serienreife weiterentwickelt hat. Mittlerweile ist wissenschaftlich erwiesen, dass freshdetect BFD-100 vergleichbar genau zur Labormethode innerhalb von drei bis fünf Sekunden die Gesamtkeimzahl sowie Temperatur und Farbe des Fleisches misst.

Wie sind Sie auf FreshDetect gekommen?

Der Name leitet sich aus der englischen Übersetzung des wichtigsten Unternehmensziels ab: der Frischeerkennung von Lebensmitteln.

freshdetect-bfd100
Bildnachweise: freshdetect

Wer sind Ihre Kunden? Welche Vorteile bieten Sie Ihren Kunden)?

Aufgrund der günstigen, schnellen und exakten Messmethode lässt sich das freshdetect BFD-100 praktisch überall dort einsetzen, wo die Gesamtkeimzahl von Fleisch ermittelt werden muss.

  • Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetriebe können es in der gesamten Prozesskette nutzen. Bei der Schlachtung und Zerlegung ermöglicht es zum Beispiel Rückschlüsse über die Hygienezustände und unterstützt bestehende Hygieneuntersuchungen sowie Betriebsentscheidungen. Am Wareneingang lässt sich Ware mit mangelhafter Qualität sofort beanstanden oder die optimale Weiterverarbeitung bestimmen. Das BFD-100 ermöglicht aufgrund der minimalen Messkosten die Kontrolle eines Großteiles der angelieferten Ware. Bei der Verpackung dient es zur Hygienekontrolle und am Warenausgang zur Qualitätsgarantie der bestellten Ware bei der Übergabe an den Kunden.
  • Labors können das Handmessgerät einsetzen, um zum Beispiel eine Vorauswahl der zu untersuchenden Proben vorzunehmen. Über die schnellen Messergebnisse lassen sich auch die geeigneten Verdünnungsschritte für die mikrobiologische Untersuchung ermitteln. Somit werden Zeit und Kosten gespart.
  • Die Lebensmittelüberwachung kann mit Hilfe der einfachen, schnellen Methode viel mehr Proben als mit der herkömmlichen mikrobiologischen Untersuchung analysieren. Dabei profitiert sie vor allem von der Argumentationshilfe gegenüber Gewerbetreibenden und die Entscheidungshilfe vor Ort.
  • Der Lebensmitteleinzelhandel und die Gastronomie prüfen am Wareneingang die Produkte und melden Vorfälle sofort an den Lieferanten. Damit erhält der Konsument einwandfreies, frisches Fleisch und ist vor gesundheitlichen Risiken durch kontaminierte oder verdorbene Ware geschützt.
  • In Zukunft könnte sogar der Konsument selbst damit die Qualität der Lebensmittel beim Einkauf vor Ort prüfen.

Können Sie kurz beschreiben wie die von Ihnen angebotene Technologie funktioniert?

Das BFD-100 bestimmt die Anzahl der Bakterien mittels Fluoreszenzspektroskopie. Dazu wird das Fleisch mit intensivem blauem Licht bestrahlt und das emittierte Licht mittels Spektrometer erfasst. Das Signal enthält dabei Fluoreszenzsignaturen von Oberflächenkeimen und der Fleischmatrix. Unter anderem fluoreszieren Porphyrine mit charakteristischen Wellenlängen im „grün-roten“ Wellenlängenbereich. Anschließend wird die Gesamtkeimzahl (GKZ) in KBE/cm2 oder KBE/g (KBE = Koloniebildende Einheit) über spezielle Algorithmen aus den Intensitäten und Wellenlängen bestimmt. Diese Algorithmen, sogenannte Kalibrationsdatensätze, sind angepasst auf das jeweilige Fleischstück und die Verpackungsform, da diese Parameter einen entscheidenden Einfluss auf die Keimflora haben.

Das tragbare und patentierte Minilabor ist nicht invasiv, kostengünstig, beliebig oft einsetzbar, digital und einfach zu bedienen. Die Anwendung des Schnelltests ist sehr einfach und kann auch von ungeschultem Personal vorgenommen werden. Dabei wird der Messkopf des Geräts maximal fünf Sekunden lang auf das Fleischstück gehalten. Der Wert der ermittelten GKZ in KBE/cm² bzw. KBE/g wird sofort nach Beendigung der Messung auf dem Display angezeigt und im Gerät gespeichert. Zusätzlich werden Temperatur, Datum, Uhrzeit der Messung, Messnummer und weitere Informationen dokumentiert. Die Daten lassen sich anschließend über USB-Kabel an einen PC übertragen. Dabei ist das Gerät einfach zu bedienen, zu reinigen und zu kalibrieren.

Möchten Sie über ein zusätzliches Thema sprechen, das FreshDetect charakterisiert?

Die Qualitätskontrolle bei Fleisch ist erst der Anfang. Die FreshDetect GmbH wird ihre Applikationen sukzessive auf weitere Lebensmittel ausbauen, beispielsweise Fisch, Milchprodukte, Obst und Gemüse. Dabei steht nicht nur die bakterielle Kontamination im Fokus, sondern auch der Nachweis von Pestiziden, Herbiziden, Herkunft, Alter (Reifegrad) und weiteren Faktoren.

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