Dutzi Agrar Systeme GmbH

Interview mit Frank Wetterkamp, Geschäftsführer bei Dutzi Agrar Systeme GmbH

Wie ist die Marke Dutzi geboren?

In den 1980er Jahren begann Friedhelm Dutzi unter der Marke DUTZI Landmaschinen zu bauen, nachdem sein Großvater bereits 1904 einen metallverarbeitenden Betrieb eröffnet hatte, der allerdings in den ersten 70 Jahren seiner Existenz nur „Stahlbau für Dritte“ gemacht hatte.

Friedhelm Dutzi wollte mit seiner Landtechnik keine Maschinen bauen, die es im Markt ohnehin schon gab, denn er hatte sich angesichts wachsender Bodenverdichtungs- und Erosionsproblematik Gedanken darüber gemacht, wie man dieser Herausforderung mechanisch begegnen könnte.

Friedhelm Dutzi machte den Pflug hauptverantwortlich für die zunehmende Bodenverdichtung, weil der Pflug die Böden mit viel Kraft scharf aufschneidet und dann auch noch wendet, damit also die gewachsenen Bodenstrukturen zerstört.

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Und genau an dieser buchstäblichen Schnittstelle entsteht dann eine immer dichter und fester wInterdende Pflugsohle, weil er natürlich auch beobachtet hatte, dass die Landwirte mit immer schwereren Maschinen immer öfter und immer schneller über die Felder fuhren. Und er ahnte, dass sich dieser Trend fortsetzen würde.

So wurde Friedhelm Dutzi einer der Erfinder des Rototillers, also eines vertikal arbeitenden Zinkenrotors, der mittlerweile legendären DUTZI KR, und ein Pionier der pfluglosen Bodenbearbeitung. Heutzutage liegt die Verteilung pfluglos arbeitenden gegenüber pflügenden Betrieben – weltweit – bei etwa 50:50, allerdings mit regional sehr unterschiedlichen Verteilungen.

Was macht sie besonders?

Die Idee von Herrn Dutzi war es, neben der pfluglosen, „nicht wendenden“ Bodenbearbeitung die Bodenbelastung auch dadurch zu senken, dass er die Zahl der Überfahrten reduzieren wollte, indem er mehrere Arbeitsschritte mit einer Überfahrt erledigte. Daher hatte die DUTZI KR vor dem Rotor Tiefenlockerungsschare, die die Pflugsohle aufgebrochen haben. Hinter dem Rotor ist eine Zahnpacker- oder Blechradwalze montiert, um den Boden wieder rückzuverfestigen. Auf die KR kann jede Standardsämaschine aufgebaut werden. Somit erledigt die KR 4 Arbeitsschritte in einer Überfahrt: Tiefenlockerung – Krümelung – Einsaat und Rückverfestigung.

Dieses „System DUTZI“ haben wir kürzlich weiterentwickelt und bieten heute den traditionellen Rototiller DUTZI KR in Kombination mit unserem tiefwirkenden Frontlockerer an.

Die Tiefenlockerungsschare der KR benötigten viel Kraft und haben, wenn der Boden feucht war, auch oftmals eine Schmierschicht unterhalb der Pflugsohle gelegt. Daher verzichten wir heute auf diese Tiefenlockerungsschare und ersetzen sie durch den Frontlockerer FL, der im Übrigen viel wirksamer und letztlich auch ganz anders arbeitet.

Was sind Ihre Hauptprodukte und ihre Anwendungsgebiete?

Die beiden Hauptprodukte sind die traditionelle DUTZI KR, den Rototiller und der neue Frontlockerer FL, die wir in verschiedenen Arbeitsbreiten anbieten, im Moment von 2,5 Meter bis 4 Meter-Arbeitsbreite.

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Tiefenlockerer mit innovativer Technik: FL 2500 (4 Zinken) komplett mit Dreipunktaufhängung, Anbaukonsolen und mechanischem Oberlenker

Was ist der Mehrwert Ihrer Produkte?

Der FL hat ein paar unschlagbare Vorteile:

  1. Die vorlaufenden Scheibensechen schlitzen den Boden leicht auf, sodass die dahinter laufenden Werkzeuge sauber in den Boden einwirken können, ohne die Oberfläche brutal aufzureißen, und schneiden die Erntereste durch.
  2. Außerdem haben sie eine leicht stützende Funktion. Die Maschine wird optional mit Stützrädern angeboten. Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn die Vorderachse nicht starr gestellt werden kann.
  3. Der Frontlockerer wird leicht nach vorne geneigt, also mit recht steil stehenden Werkzeugen gefahren, die dann die Verdichtungssohle nach vorne drücken, bis sie bricht. Wenn sie bricht, bildet sich ein Risstrichter nach links und rechts und nach unten. Die Risse können – je nach Boden – über die nächsten 1-2 Wochen bis zu 1,5 – 2 Metern tief gehen. Damit wird Luft und Feuchtigkeit in den Boden gebracht und das Bodenleben aktiviert, das Porenvolumen erhöht, die Feldkapazität und der durchwurzelbare Raum vergrößert. Damit wird letztlich die gesamte Bodenstruktur verbessert: der Boden wird spürbar lockerer und zugleich tragfähiger.
  4. Die Maschine wird mit ca. 6-8 km/h, maximal 9 km/h gefahren, bei extrem verdichteten und harten Böden auch langsamer und bei der ersten Überfahrt nicht so tief. Wichtig ist, dass der Boden genügend Zeit hat, um zu brechen und um „Luft zu schnappen“. Die Maschine kann „kleine Wunder“ bewirken, sie kann aber die Natur, die Bodenphysik nicht überlisten. D.h., die Rissbildung kommt in der Regel nur zustande, wenn nicht zu schnell gefahren wird.
  5. Durch die leichte Neigung nach vorne wird die Maschine eher gezogen als geschoben, was sie zum einen sehr leichtgängig macht und zum anderen erstaunlich wenig Kraft erfordert.
  6. Der Frontlockerer kann neben der KR natürlich auch mit vielen anderen Heckmaschinen kombiniert werden.
  7. Durch die Kombination der Frontmaschine mit Heckmaschinen, am besten mit aufgebauter Sämaschine oder in Kombination mit einem Düngestreuer, spart man viel Zeit und Dieselkraftstoff, zum einen durch die Reduzierung der Zahl der Überfahrten, zum anderen ist auch die eine Überfahrt sparsam, weil das Heckgerät weniger Kraft braucht, weil es in vorgelockerte Böden einfährt. Damit geht der Verschleiß des Heckgeräts spürbar zurück.

Optionen der DUTZI KR

Die Maschine wird mit drei verschiedene Rotoren angeboten: Meißel- und Zinkenrotor für eine optimale Krümelung; und der Mulchrotor mit Ballonreifen statt Walze für den Einsatz als Fräse.

Aus welchen Gründen würden Sie sie empfehlen?

Wie oben dargelegt, hat das „System DUTZI“ viele Vorteile. Die Maschinen sind extrem haltbar. Viele KRs funktionieren auch nach 20 oder 30 Jahren noch (fast) wie am ersten Tag. Das heißt, die Maschinen sind „eine Anschaffung fürs Leben“.

Interessanterweise wird gerade der Frontlockerer von sehr viel verschiedenen Betrieben eingesetzt, denn Luft braucht jeder Boden, und das Wasser sollte auch eher in den Boden eindringen als oberflächlich stehen, verschwemmen oder verdunsten.

DUTZI Maschinen werden heute sowohl in Biobetrieben als auch in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt, und nicht nur von pfluglos arbeitenden Betrieben, sondern zunehmend auch von Betrieben, die den Pflug immer noch oder jetzt wieder einsetzen. Und nicht nur im Ackerbau, sondern auch im Grünland, dort insbesondere auch der Frontlockerer, weil er den Boden belüftet, und wenn man besonders langsam fährt und fast gar Material hochholt.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der Landwirtschaft?

Die Digitalisierung spielt eine große und wachsende Rolle. Wir sehen für unsere Maschinen, die wir zurzeit noch nicht in großen Arbeitsbreiten anbieten u.a. Chancen bei autonom fahrenden Schleppern, denn diese werden nach unserer Auffassung eher mit geringeren Arbeitsbreiten fahren, weil dies einfach ausfallsicherer sein dürfte.

Wie sehen Sie die Zukunft von E-Commerce in der Landwirtschaft?

E-Commerce wird sicherlich auch in der Landwirtschaft immer wichtiger werden. Darum bieten wir unsere Maschinen jetzt auch bei Farmitoo an!

Wie hat sich das Internet verändert oder wie verändert sich Ihr Geschäft?

Durch den wachsenden E-Commerce sehen wir für uns gute Chancen, unsere Maschinen auf noch schneller international vertreiben zu können. Hier werden wir uns dann allerdings sicherlich auch jeweils lokale Vertragspartner für den Service vor Ort suchen.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft? Gibt es aktuell neue Projekte?

Wir werden in den nächsten Jahren unsere Maschinen in weiteren Varianten anbieten, um sie auch in Sonderkulturen und in Großbetrieben einsetzen zu können. Und dann gibt es noch eine ganz Reihe weiterer Ideen, über die wir hier noch nicht sprechen wollen.

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