Naranjas del Carmen – Revolution CrowdFarming: Für eine transparente, direkte und emotionale Landwirtschaft

Im Interview mit Farmitoo erzählt Lena von Naranjas del Carmen die Entstehungsgeschichte der spanischen Orangenplantage und erläutert das Prinzip und die Ziele der neuen Anbau- und Konsumalternative des Crowdfarmings. 
Hallo Lena, kannst du eure Arbeit bei Naranjas del Carmen kurz beschreiben? Woher kam die Idee zum „Crowdfarming“ auf eurer Plantage? 

Sehr gerne. Naranjas del Carmen wurde von den beiden Brüdern Gabriel und Gonzalo Úrculo gegründet. Im Jahr 2011 entschieden sich Gabriel (damals 28) und Gonzalo (damals 25) dazu, ihre jeweiligen Berufe aufzugeben, um die Orangenplantage, die sie von ihrem Großvaters geerbt haben, wieder auf Vordermann zu bringen. Diese war zu diesem Zeitpunkt in einem ziemlich schlechten Zustand und mehr als die Hälfte der Bäume abgestorben. Hinzu kamen Spaniens Wirtschaftskrise und die schlechte Entlohnung, die die Landwirte für ihre Ernteerträge bekamen. Nach dem ersten Jahr auf der Plantage ihres Großvaters und einer ersten schlechten Ernte, die sie zudem nur zu sehr schlechten Konditionen an Zwischenhändler verkaufen konnten, riefen die Brüder die Marke Naranjas del Carmen ins Leben, um ihre Orangen direkt an diejenigen zu verkaufen, die diese auch tatsächlich konsumieren. Gabriel war für die Website zuständig und bereitete die Bestellungen vor und Gonzalo pflückte die Orangen und kümmerte sich um die Logistik. Während der ersten Saison haben sie ihre Ernte an 150 Familien verkauft und verschickt – vor allem Familienmitglieder, Freunde und Freunde von Freunden.

Die beiden Urculo Brüder haben verstanden, dass die einzige Möglichkeit, qualitativ hochwertige Orangen anzubauen, darin besteht, eine direkte Verbindung mit denjenigen herzustellen, die ihre Früchte auch konsumieren. Sie entschieden sich also dazu, ein neues Anbaukonzept und eine neue Lebensmittellieferkette zu schaffen und direkt an den Endverbraucher zu verkaufen und nur auf Bestellung zu ernten – vom Baum direkt nach Hause. Ein weiteres Problem, mit dem sie sich konfrontiert sahen, war das Alter der Bäume auf der Plantage ihres Großvaters. Aber wie viele neue Bäume sollen gepflanzt werden? Diese Entscheidung wollten die beiden Brüder in die Hände der Konsumenten legen, um nicht nur auf deren Bestellung zu ernten, sondern um von vorneherein nur das anzubauen, was sie am Ende essen werden. Angebot und Nachfrage werden perfekt aufeinander abgestimmt. Dass der Anbau rein natürlich ist, versteht sich von selbst. Das CrowdFarming mit Orangenbäumen war geboren und im Dezember 2015 gab es die ersten Orangenbaumbesitzer bei Naranjas del Carmen. 

Mittlerweile sind alle unsere Felder bepflanzt, insgesamt konnten dank der Baumpaten 10.500 neue Orangenbäume gepflanzt werden. Wöchentlich kommen diese bei uns vorbei, um ihren Baum zu besuchen und unser Team kennenzulernen. Das ist das besondere an unserer Arbeit, der direkte Kontakt zum Endverbraucher. Sie wissen genau, wer ihre Früchte (und mittlerweile auch saisonales Gemüse) anbaut und sich um ihren Baum kümmert und wir lernen diejenigen kennen, die die von uns angebauten Früchte am Ende auch genießen. Das ist eine sehr schöne und bereichernde Erfahrung für beide Seiten.

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Welche Rolle spielen die Mitglieder/Unterstützer des Crowdfarmings? 

Das Crowdfarming ist ein neues landwirtschaftliches Modell, das auf den Feldern von Naranjas del Carmen geboren wurde. Es verbindet die Erzeuger mit den Konsumenten und möchte hierdurch die herkömmliche Lebensmittellieferkette revolutionieren. Dank der Adoption unserer Orangenbäume und Bienenfamilien ist die Verbindung zu denjenigen, die unsere Produkte konsumieren, transparenter, direkter und emotionaler geworden. Außerdem hat sich unsere Plantage in den Obstgarten der Menschen verwandelt, deren Orangenbaum auf unseren Feldern heranwächst. Diese Personen wissen, woher ihre Lebensmittel kommen, wer sie unter welchen Bedingungen angebaut hat, wann genau diese geerntet wurden und wie die Erntezeit verlaufen ist. 

Mittlerweile interessieren sich auch andere Landwirte für dieses neue Modell und wir haben zwei Möglichkeiten gesehen: Zum einen neue Felder kaufen, um mit Naranjas del Carmen zu wachsen, oder zum anderen weitere Erzeuger mit einzubeziehen und diese dabei zu unterstützen, das Crowdfarming in ihren Anbau zu integrieren. Einer der Schlüsselfaktoren von Naranjas del Carmen ist die hingebungsvolle Arbeit, mit der wir uns um unsere Plantage kümmern und die persönliche Beziehung, die wir mit den Orangenbaumbesitzern und Bienenpaten haben. 

Aus diesem Grund und weil wir denken, dass das Crowdfarming kein lokaler und abgeschirmter Erfolg bleiben soll, haben wir uns für die zweite Möglichkeit entschieden. Es soll sich zu einer wahrhaftigen weltweiten sozialen landwirtschaftlichen Revolution entwickeln und dabei in den Menschen das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Konsum wecken und die Lebensmittelverschwendung verhindern. Das ist allerdings nur dann möglich, wenn wir diese Anbauphilosophie mit anderen Landwirten teilen. Und genau mit diesem Ziel haben wir geholfen Ende 2017 crowdfarming.com ins Leben zu rufen – eine Plattform, auf der andere Erzeuger ihre Pflanzen und Tiere zur Adoption anbieten. 

Als Mitglieder bzw. Unterstützer des CrowdFarmings würden wir in erster Linie die Landwirte (Farmer) bezeichnen, die sich mit ihrem Projekt dieser Revolution angeschlossen haben. Der zweite wichtige Akteur sind die Konsumenten (CrowdFarmer). In diesem Artikel haben wir versucht deren Rolle zusammenzufassen: Glossar CrowdFarming®

Stehen zukünftige Projekte an und gibt es abschliessende Worte oder wünsche für die Zukunft? 

Jede Woche schließen sich dem CrowdFarming neue Landwirte an und jeder Farmer hat bereits seine eigene Community aufgebaut. Unser Traum ist es, dass sich das CrowdFarming über die Zeit zu einer tatsächlichen Konsumalternative entwickelt, die es den Menschen ermöglicht, ihre Konsum über das Jahr hinweg planen können und somit auch den Landwirten eine sichere Grundlage gibt. Das schöne am CrowdFarming ist, dass es ein ganz neues Konzept ist, das sich noch ständig weiterentwickelt – vor allem dank des Feedbacks anderer Produzenten und den Personen, die die Lebensmittel konsumieren. Unser Ziel ist es, diese Lebensmittellieferkette und die Plattform crowdfarming.com noch weiter auszubauen und die Rückmeldungen, die wir bekommen, einzuarbeiten.

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Vielen Dank an Lena von Naranjas del Carmen für das Interview! Farmitoo wünscht weiterhin viel Erfolg!

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