SAM-Dimension: ein Start-Up, das Pflanzen innovativ schützt

Guten Tag Robin! Könntest Du uns bitte zuallererst Dein Unternehmen vorstellen? Was ist SAM-DIMENSION?

Robin: Guten Tag Valérie, lass es mich so erklären: SAM-DIMENSION ist ein AgTech Startup, welches sich dem präzisen Pflanzenschutz verschrieben hat. Vor der Unkrautbekämpfung wird die Fläche mit einer Drohne beflogen. SAM-DIMENSION wertet die Bilder aus und berechnet Anwendungskarten für die Feldspritzen, zur präzisen Ausbringung der Unkrautbekämpfungsmittel. Somit reduziert der Landwirt die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln in die Umwelt und spart Betriebsmittel ein. Der Einsatz von Drohnen ist auch in der Landwirtschaft bereits weit verbreitet. Schon 2018 setzten 9 % der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland Drohnen ein. Bei den Feldspritzen selbst werden die einzeln schaltbaren Teilbreiten in den letzten Jahren immer kleiner. Das ist wichtig, um ein größeres Einsparpotential bei der Ausbringung der Pflanzenschutzmittel zu erzielen.

Dieses Frühjahr haben wir viele Tests mit unseren Pilotkunden in ganz Deutschland durchgeführt, hauptsächlich auf Großbetrieben. Wir haben dabei deutlich gespürt, dass die Landwirte ein großes Interesse an unserer Technologie haben, obwohl diese noch im Prototypenstadium ist. Trotz der erschwerten Bedingungen durch die Kontaktbeschränkungen haben sich die Landwirte Zeit genommen z.B. in Telefonkonferenzen unsere Karten in Ihren Spritzensteuerungen zu testen.

Wie ist die Idee entstanden, die zur Gründung von SAM-DIMENSION geführt hat?

SAM-DIMENSION ist aus Projekten zum Einsatz von Sensoren und Drohnen am Institut für Phytomedizin der Universität Hohenheim hervorgegangen. Mein Mitgründer Alexander forschte im Rahmen seiner Promotion an der Erkennung und Klassifizierung von herbizidresistenten Unkräutern mittels Sensoren und künstlicher Intelligenz. Bei mir stand vor allem die Implementierung verschiedener Kamerasensoren zur Fernerkundung mittels Drohnen im Mittelpunkt. Die Drohnen wurden als Trägersystem für verschiedene Kameras eingesetzt, um die räumlichen Verteilung von Unkräutern, die Vegetationsentwicklung und den Herbizidstress in der Kulturpflanze zu erfassen und quantifizieren zu können.

Durch die Zusammenarbeit in den Projekten haben Alexander und ich erkannt, dass viele Technologien zwar in der Forschung erfolgreich eingesetzt werden, aber noch nicht ihren Weg zu praxistauglichen Produkten für den Landwirt gefunden haben. Vor allem im Bereich chemischer Pflanzenschutz ist in den vergangen Jahren ein immenser gesellschaftlicher Druck auf die Landwirtschaft entstanden. Letztendlich führte dies sogar europaweit innerhalb des “Green Deals” zu einer gesetzlichen Regelung, in welcher eine 50 % Reduktion des Pestizideinsatzes bis 2030 gefordert wird. Aber auch die Landwirte selbst werden immer sensibler und suchen nach Möglichkeiten umwelt- und ressourcenschonendere Prozesse im Pflanzenschutz zu umzusetzen. Nicht zuletzt auch wegen des steigenden Kostendrucks.

Bedingt durch diese Entwicklungen sind Lösungen zum präzisen Pflanzenschutz wie sie von SAM-DIMENSION entwickelt werden gefragter denn je.

Welche Lösungen, bzw. welchen Service bietet Ihr Konkret an?

Wie eingangs beschrieben bietet SAM-DIMENSION Anwendungskarten für Feldspritzen nach ISO-Norm. Die Karten werden aus Luftbildern berechnet und ermöglichen eine einzelpflanzenspezifische Behandlung von Unkräutern, wobei die Erkennung bereits im Keimblattstadium der Unkräuter möglich ist. SAM-DIMENSION nutzt daher größtenteils die bereits auf den Betrieben vorhandene Technik, um deren Potential voll auszuschöpfen. So müssen Landwirte nicht in teure Technik investieren und können das Kartierungssystem z.B. über Dienstleister testen oder selbst als Lohnunternehmer mit einer Drohne für andere Betriebe tätig werden. 

Angenommen ich bin ein Landwirt, der an einer Zusammenarbeit mit SAM-DIMENSION interessiert ist: wie genau ist der Ablauf bei einer solchen Zusammenarbeit (wo fängt man an; welche Analysen werden genau gemacht und wie; welche Resultate erzielt man damit)?

Derzeit sind wir vor allem auf Pilotbetrieben unterwegs. Hier wurden die Flächen zu unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Kulturpflanzen beflogen. Im Vordergrund stand der intensive Austausch mit den Landwirten und die kritische Diskussion rund um das Thema Unkrautbekämpfung und die einzelpflanzenspezifische Behandlung.

Zunächst bieten wir dem Betrieb eine Beratung, bei welcher wir die Flächen und die angebauten Kulturen besprechen. Wir können dann aus unseren bisherigen Erfahrungen bereits berechnen wie hoch das Einsparpotential auf dem Betrieb sein wird. So kann sichergestellt werden, dass sich eine Investition z. B. in eine Drohne, oder eine Feldspritze mit Einzeldüsenschaltung lohnt.

Zur Serienreife läuft der Prozess dann so ab, dass ein Betrieb die Fläche vor der Behandlung selbst befliegt oder einen Dienstleister beauftragt. Wir stellen dem Landwirt hierzu die notwendigen Spezifikationen der Drohne und der Kameratechnik zur Verfügung, oder er kann die Drohne direkt über uns beziehen. Anschließend werden die Bilder beim Landwirt automatisiert ausgewertet und er erhält die Karte für die Anwendung auf der Feldspritze.

In bisherigen Praxistests lag das Einsparpotential im Schnitt bei 60 %. Wobei die Verunkrautung und die Teilbreitengröße der Feldspritze den größten Einflussfaktor darstellen.

Welche sind Eure weiteren Projekte und Ziele für die weitere Zukunft von SAM-DIMENSION?

Für die nahe Zukunft steht die Entwicklung zur Serienreife an. Hierzu gehört ein Drohnenaufnahmesystem, das sich einfach im Agrarbetrieb integrieren lässt. Das heißt konkret ein robustes Gerät, welches sich einfach bedienen lässt. Dies ist auch der Grund, warum wir schon jetzt sehr intensiv mit Landwirten zusammenarbeiten.

Mittelfristig ist die Erweiterung der Produktpalette geplant, da die Drohne für weitere Einsatzzwecke ohnehin geeignet ist. So soll in Zukunft beispielsweise eine Biomassekartierung, Düngemittelapplikationskarten oder Schadensbonituren mit dem System durchgeführt werden können. Auch die Unterstützung bei der Planung für die Auswahl unterschiedlicher Pflanzenschutzmaßnahmen ist ein Thema mit dem wir uns beschäftigen werden. Schon jetzt arbeiten viele konventionelle Betriebe in Kombination mit chemischem und mechanischem Pflanzenschutz. Präzise Kartierungen können hier dazu beitragen, die richtige Entscheidung zur Wahl der Unkrautbekämpfungstrategie zu treffen.

Langfristig ist die Integration unseres Systems mit vollständig autonom fliegenden Drohnen geplant. Zum autonomen Flug außerhalb der Sichtweite eines Steuerers gibt es auch in Deutschland bereits viele Praxistests. Für die Umsetzung fehlen jedoch immer noch die rechtlichen Rahmenbedingungen. Wobei wir sehr zuversichtlich sind, dass im ländlichen Raum tendenziell früher Wege gefunden werden, die notwendigen Technologien einzusetzen.

Wie werden Deiner Meinung nach neuartige Technologien in Zukunft die Landwirtschaft verändern?

Der obligatorische Blick in die Glaskugel? In der Landwirtschaft werden immer Menschen arbeiten, welche sich gerne und intensiv mit der Natur und Technik beschäftigen. Das heißt die “Arbeit auf dem Feld” wird bleiben, aber sie wird sich verändern. Die Landwirtschaft sammelt schon seit jeher unmengen an Daten. Denken Sie nur an die noch heute gültigen Werte der Reichsbodenschätzung in ganz Deutschland. Aber auch schon 3000 v. Chr. waren Abgaben der Landwirte anhand der Bodengüte bemessen.

Jetzt hat die Zeit begonnen in der Landwirte Ihre eigenen Daten auch für Ihr eigenes Wirtschaften im großen Stil nutzen können. Vor allem durch Datafusion und künstliche Intelligenz werden derzeit neue Werte geschaffen, die es Großbetrieben ermöglichen teilflächen- und sogar einzelpflanzenspezifisch zu wirtschaften. Dies wird noch besser funktionieren als wir es von Kleinbetrieben kennen, bei denen ein Landwirt jedes Teilstück seiner Äcker auswendig kennt und aufgrund kleinerer Maschinengrößen selbst eingreifen und anpassen konnte.

Aber auch für kleinere Betriebe, für welche sich oftmals neue Technik nicht lohnt, werden sich Möglichkeiten ergeben. Bereits jetzt können diese z.B. über Satellitenbilder berechnete Düngemittelkarten kostenlos einsetzen. Auch Technologien wie die von SAM-DIMENSION können kostengünstig eingesetzt werden, da eine Investition nicht zwingend erforderlich ist wenn ein Dienstleister die Befliegung übernimmt.

Unsere Vision ist es, dass die Landwirte der Zukunft wieder mehr Zeit haben, sich um die wesentlichen Entscheidungen zu kümmern, da sie für agronomische Entscheidungen und anfallende Bürokratie einen einfachen Zugang zu digitaler Unterstützung haben.

Ich bedanke mich herzlich für deine Zeit und wünsche dir sowie SAM-dimension weiterhin alles Gute.

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