Etepetete- die Box, die Bio Lebensmittel rettet

Hallo Tabea, Könntest du uns etepetete einmal vorstellen und erzählen, welche Vision hinter dem Projekt steht und wie es entstanden ist?

etepetete wurde 2014 von den drei Freunden Christopher Hallhuber, Georg Lindermair und Carsten Wille gegründet. Durch Zufall wurden die drei Freunde auf das Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam. Davon, dass 30-40% einer Ernte auf dem Feld liegen bleiben oder zweckentfremdet werden, mussten sie sich erst einmal selbst überzeugen. Also klapperten sie Bio-Landwirte im Münchner Umland ab und stießen dabei auf offene Ohren und mehrere Tonnen krumme, aussortierte Karotten aus nur zwei Erntetagen. Die Idee von etepetete war geboren und ohne Startkapital, aber dafür mit viel Grün hinter den Ohren starteten sie das Projekt „Retterboxen“. Los ging es mit der reinen Gemüse-Box, die sie in der Garage packten und von dort aus an die ersten Kunden verschickten. Die Nachfrage stieg und so packten immer mehr Freunde, die Familie und Freunde von Freunden mit an. Heute führen Christopher und Georg das Unternehmen zu zweit und beschäftigen knapp 90 Mitarbeiter.

Die Gründer von Etepetete, Georg und Christopher

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Landwirten konkret aus, wie finden die zwei Seiten, etepetete und Landwirte sich? 

Wir arbeiten direkt mit den Bio-Landwirten zusammen. Wir haben ein europaweites Netz von Landwirten. Es sind circa 45 Landwirte, mit denen wir in Deutschland zusammenarbeiten. Für Griechenland, Italien, Spanien und Frankreich haben wir jeweils einen direkten Händler, der die Landwirte vor Ort kennt, unser Konzept gut versteht und dieses den dort ansässigen Landwirten erklären kann. Wir kaufen auch Großhändlern nicht gekaufte, also übrig gebliebene Paletten ab. Als etepetete gegründet worden ist, Anfang 2014, haben die Gründer die Landwirte “abgeklappert” und ihnen ihr Konzept vorgestellt. Heute hat sich das ein wenig verändert, so größer etepetete wird, desto mehr Landwirte kommen auf uns zu, weil sie von bekannten Landwirten von uns gehört haben.

Die Zusammenarbeit in konkreten Fall ist recht einfach, ein Landwirt ruft uns an und sagt “in zwei Wochen ernte ich G, interessiert ihr euch dafür die Ware, die wir nicht verkaufen können, abzukaufen?”. Vor allem in der Coronazeit, in der die Gastronomie geschlossen war, hatten wir sehr viele Anfragen von Landwirten, denen Abnehmer gefehlt haben. Wir kaufen alle noch verzehrbare Bio-Ware, die nur von außen nicht ganz perfekt sind: Übergrößen, zu klein, krumm, Schalenfehler oder egal ob sie zu groß, zu klein,, krumm oder falsch etikettiert. Die falsch etikettierte Ware beispielsweise ist A-Ware, also eigentlich für den Verkauf im Supermarkt bestimmt, kann aber nicht verkauft werden, weil der etikettierte EAN Code entweder nicht mehr aktuell oder falsch ist. 

Wir sind ein Unternehmen, deswegen ist es klar, dass wir im Einkauf den Preis mit den Bauern verhandeln, wir stellen dennoch immer die Frage: “Schätzen wir die Ware und die Arbeit, die dahinter steckt, mit diesem Preis, den wir mit den Bauern aushandeln, wert?” Wir wollen etwas Gutes tun und den Bauern helfen, auch indem wir vielfältig retten, ganz nach dem Motto: “Wenn wir die Ware nicht abkaufen, dann würde sie in der Tonne oder auf dem Kompost landen”.

Welche Produkte verkauft ihr und wie setzt sich der Preis der Produkte zusammen?

Unser konkretes Produkt sind statische Boxen, die sogenannten “Überraschungsboxen”, was bedeutet, dass der Kunde derzeit nicht die Möglichkeit sich die Arten seines Gemüses oder Obstes auszusuchen hat. Wir bieten kleine und grosse Gemüse– oder Obstbox, eine Box aus einem Mix aus Obst und Gemüse sowie ein Rostkostbox an. Zudem liegen in jedem unserer Pakete passende Rezepte zum Ausprobieren bei, vor allem bei unbekannteren Früchten wie Quitten oder Gemüsen wie Schwarzwurzeln sind unsere Rezepte sehr beliebt.

Unsere Verkaufspreise liegen zwischen 21,90€ für die kleinste Box und 34,90€ für die größte Box, die Basicbox, die zusätzlich zu frischen Obst und Gemüse auch verpackte, gerettete Bio-Lebensmittel beinhaltet. Diese Preise setzen sich aus dem Preis der Ware an sich, den Transportkosten für die Speditionen, die uns die Ware vom Landwirten zu unsere Lagerhalle liefern, wo 60 etepetete Mitarbeiter jede Box per Hand packe, zusammen.

Um eine Box zu kaufen, erstellt der Kunde bei uns ein jederzeit kündbares Abo. Dieses Abo bietet dem Kunden auch die  Möglichkeit mehrere Boxen zu bestellen. Wir versenden unsere Boxe überall in Deutschland, wo der Postbote hinkommt.

In Zukunft wollen wir unsere Produktpalette erweitern. Wir gehen immer mehr in Richtung Individualisierung der Boxen, sodass Kunden auch ihre Gemüse- und Obstarten aussuchen können. Dies wird nicht wie unser herkömmliches Rettungskonzept funktionieren können, aber in jedem Fall werden die Überraschungsboxen im Sortiment bleiben. Als weiteres Zukunftsprojekt haben wir uns auch die Entwicklung von Eigenmarken mit eigenen aus geretteter Ware hergestellten Produkten vorgenommen, zum Beispiel Kekse oder Getränke.

Kannst du uns erläutern, was etepetete von anderen lebensmittelrettenden Projekten oder Start-Ups unterscheidet?

Wir von etepetete sind zu 100% Bio. Klar fällt im konventionellen Bereich mehr Ware an, aber wir wollen nur Bio. Also keine halben Sachen. Entweder handelt sich bei unserer Ware um EU-Bio Ware oder Verbandsware. Eu-Bio Ware ist biologisch angebaute Ware von Bio-Höfen, die sich an die Bio-Standards der Europäischen Union halten. Das bedeutet meistens, dass die Landwirte auf einem Teil ihrer Felder biologisch und auf dem anderen Teil auf konventionelle Art und Weise anbauen. Verbandsware ist Ware von Bauern, die für Verbände wie Bioland, Naturland und Demeter anbauen. Diese haben ihre eigenen, meist striktere Regeln in Bezug auf Pflanzenschutz und Fruchtfolge beispielsweise. Ich bin der Meinung, dass wenn Bio ernst genommen wird, dann ist Verbandsware die logische Konsequenz.

Abschließend würde uns sehr interessieren, wie du denkst, wie sich die Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft in der Zukunft verändern wird, und welchen Beitrag etepetete leisten kann?

Ich denke, dass die Lebensmittelindustrie sowie die Landwirtschaft sich sehr an die sich verändernden Wetterbedingungen anpassen werden müssen. Beispielsweise haben viele Zitrusfrüchte immer häufiger verbrannte Stellen und können somit im Supermarkt aus reinen Schönheitsgründen nicht mehr verkauft werden. Da kann etepetete helfen. 

Wir sehen unser Konzept auch als Antwort auf sich häufende Probleme, die den Pflanzen zu schaffen machen, zum Beispiel zu heiße/ kalte Tage, zu trockene/feuchte Tage oder Krankheiten, die das Wachstum verändern. All das verändert nur das Aussehen nicht aber die innere Qualität.  Zum Beispiel Insekten wie Erdflöhe, die bei Kohlrabi Wachstumsprobleme verursachen, wodurch die Kohlrabis aufplatzen und somit auch wieder aus Schönheitsgründen nicht mehr in herkömmlichen Supermärkten verkauft werden können.

Wir wollen weiter versuchen, so viel Aufklärungsarbeit wie möglich zu leisten, um mehr Verständnis und Wertschätzung für Lebensmittel sowie deren Produktion bei unseren Kunden zu entwickeln. Zum Beispiel, informieren wir unsere Kunden sowie die breite Öffentlichkeit darüber, dass Zitronen momentan grün sind, sie aber trotzdem reif und verzehrbar sind. Wir wollen, dass mehr darüber gesprochen wird, wie Lebensmittel im Supermarkt so aussehen und warum das so ist und dadurch Normen verändern. Deswegen gibt es online Inhaltslisten, die über das Herkunftsland, welche Bio-Zertifizierung und den Grund, warum das jeweilige Produkt in der Box landet erklärt. So kann sich unser Kunde aber auch andere interessierte Personen über die Box und deren Inhalt informieren.. Es gibt immer mehr Supermärkte, die ähnliche Konzepte anwenden, indem sie krumme Ware günstiger verkaufen und damit die “perfekten” Produkte zu “hochwertiger” Ware und die anderen zu “Ramsch” machen. In Anbetracht des Klimawandels und der sich häufenden Hitzesommer beispielsweise, müssen wir uns alle die Frage stellen, ob wir uns die Ignoranz noch leisten können, Lebensmittel wegen Schönheitsfehler abzulehnen oder auszusortieren? 

Ich danke dir ganz herzlich für deine Zeit und wünsche dir sowie etepetete alles Gute für die Zukunft.

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