Digital handeln und Erfolg ernten mit Cropspot

Schönen guten Tag Herr von Weichs, zunächst einmal vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre Bereitschaft dieses Interview mit mir zu führen. Beginnend würde ich Sie gerne bitten “Cropspot” vorzustellen.

Cropspot ist die digitale Handelsplattform für Agrarrohstoffe. Kostenlos und unverbindlich kann der Nutzer sich registrieren. Es erwarten ihn Marktinformationen, Börsenkurse, eine breite Produktpalette von Mahlweizen über Futtergetreide und Leguminosen bis hin zu Raps, Körnermais und Dinkel. Zudem werden regionale Hürden durch eine reibungslose Vermittlung von Frachten überwunden. Erklärvideos und persönliche Assistenz erleichtern dem registrierten Nutzer den Zugang.

Unser Ziel ist eine gesteigerte Wertschöpfung je gehandelter Tonne.

Wie seid ihr auf die Idee, die zur Gründung von “Cropspot” geführt hat, gekommen?

Mein Kollege Tobias Fallmeier und Ich haben gemeinsam bei einem großen deutschen Agrarhandelshaus gearbeitet und im Tagsgeschäft zwischen Landwirtschaft und Endverbraucher sehr viele Ineffizienzen gesehen. Zudem kommen wir beide aus der praktischen Landwirtschaft und kennen die Probleme aus eigener Erfahrung. Als wir uns schließlich gefragt haben, « warum kann man eigentlich Reisen, Autos, Kleidung und vieles mehr im Internet vergleichen, anbieten und handeln, aber für landwirtschaftliche Erzeugnisse bzw. den Agrarhandel ist dies nicht möglich? » Da war die Idee geboren.

Welche Dienstleistungen bietet ihr an und wie setzt sich der Preis der Produkte zusammen?

Sichtbarkeit: Das Kauf- oder Verkaufsinteresse eines Landwirts wird durch unverbindliche und freibleibende Inserate für alle Marktteilnehmer sichtbar. Nachdem sich der Landwirt auf der Seite angemeldet hat, kann er erst einmal unverbindlich ein Angebot einstellen. Meldet sich daraufhin ein Händler, können beide Seiten in Kontakt treten. Andererseits sieht aber auch der Landwirt Gesuche von Händlern. Verfügt der Landwirt über eine passende Partie und der gebotene Preis sagt dem Landwirt zu, kann ebenso Kontakt aufgenommen werden. „Frei nach dem Motto ,Wenn man nicht sagt, was man hat, und ein anderer nicht sagt, was er will, kann man nicht ins Geschäft kommen‘“. Ich würde sagen, das ist wie bei Ebay Kleinanzeigen oder Mobile.de für Autos. Das, was man sucht oder anbietet, findet häufig mehr Interesse außerhalb des eigenen Dunstkreises und so entstehen Kontakte zu neuen Geschäftspartnern.

Erweiterter Aktionsradius: Die Sichtbarkeit weckt Interessen über den angestammten Vermarktungsradius hinaus. Ein anonymes Inserat macht es für den Landwirt einfacher, über den eigenen Tellerrand zu schauen und den Aktionsradius zu erweitern. Auf diese Weise wird nicht nur regional, sondern auch überregional Kauf- bzw. Verkaufsinteresse geweckt, was die Verhandlungsfähigkeit stärkt, um den bestmöglichen Preis zu erzielen. Oft bleiben Chancen ungenutzt, weil Landwirte nicht wissen, dass ein Händler aus einer entfernten Region Futter zu einem benachbarten Landwirt liefern lässt und der LKW auf der Rückfahrt sein Getreide mitnehmen könnte. Durch Rückfrachten für die eigenen LKWs / Spedition oder regionalem wie überregionalem Kaufinteresse von der Käuferseite, besteht eine hohe Möglichkeit für attraktive Preise durch Käufer und Verkäufer aus anderen Regionen Deutschlands.

Marktpreistransparenz: Durch Inserate auf der Landwirtsseite, aber auch Inserate auf der Käuferseite von Handel oder Industrie (Mischfutter, Mehlmühle, Stärkewerk) wird eine Preistransparenz geschaffen, die es allen Beteiligten ermöglicht, Preise visuell, wie monetär zu vergleichen und die bestmöglichen Optionen abzuwägen.   

Sonderkulturen / Nischenfrüchte: Soziale und politische Rahmenbedingungen, wie weite Fruchtfolgen, Eiweißstrategie der Bundesregierung oder aus der Düngeverordnung resultierende Ergänzungen im Anbauplan bringen Ernteerzeugnisse auf den Markt, welche nicht überall Absatz bzw. nicht marktgerechten Absatz finden. Ackerbohnen, Futtererbse, Körnermais, Schälhafer, Dinkel oder auch B-Roggen können auf Cropspot inseriert werden, um deutschlandweit sichtbar zu werden und so den besten Käufer ausfindig zu machen.

Mobile Nutzung: Der Landwirt hat heute stets sein Smartphone in der Tasche. Egal, ob aus dem Urlaub oder auf dem Trecker, die Märkte sind so immer im Blick, um den besten Preis zu generieren. Geht ein Angebot ein, wird der Landwirt über eine SMS informiert und kann dann auf die Internetseite gehen. Der Landwirt muss also nicht erst an den Rechner im Büro, um auf ein Angebot reagieren zu können.

Welche Zielgruppe habt ihr? Wie erreicht ihre diese, sprich welche Vertriebskanäle nutzt “Cropspot”?

Unsere Zielgruppe sind wie bereits oben beschrieben alle Teilnehmer der landwirschaftlichen Wertschöpfungskette. Im Fokus steht aber ganz klar der Landwirt als Primärproduzent. Erreichen tun wir unsere Zielgruppe über alles Wege des Marketings. Klassisch, Intern und Direkt. Hier nutzen wir online sowie offline Möglichkeiten und profitieren von unserem großen Branchennetzwerk. 

Welchen Vorteil hat es für einen Landwirt seine Produkte über eure Plattform zu handeln?

Der Landwirt wird im ersten Schritt sichtbar mit seinem Kauf- und/oder Verkaufsinteresse. Er bekommt also Zugang zu viel mehr potenziellen Käufern oder Verkäufern. Darüberhinaus bekommt er durch die Marktpreistransparenz eine Vergleichbarkeit seiner Preise bzw. der Marktmöglichkeiten. Nicht zuletzt erleichtert cropspot ihm den Handel mit Nischenprodukten , Sonderkulturen und Kleinstpartien. Für alle diese Vorteile zahlt der Landwirt erst, wenn er tatsächlich ein Geschäft abschließt und somit hoffentlich ein Mehrwert für sich erzeugt hat.  

Abschließend würde uns sehr interessieren, welche Projekte und Ziele ihr für die Zukunft habt, sowie wie Initiativen und Unternehmen wie Cropspot die Landwirtschaft von morgen verändern können? 

Unser Ziel für die Zukunft ist noch dichter am Landwirt und den Nutzern zu sein, um nicht ein Produkt für uns, sondern für die die es nutzen sollen zu schaffen. Unser Mission ist es eine Ergänzung der bestehende Möglichkeiten im Agrarhandel zu sein und ein flächendeckendes Netzwerk aus aktiven Nutzern zu fördern. Projektbezogen bedeutet dies die Handhabung noch weiter zu vereinfachen, nutzerorientierte Features zu ergänzen und insgesamt den Agrarhandel für den Nutzer verständlich, effizienter und ertragreicher zu machen.

Die Landwirtschaft von morgen wird durch Unternehmen wie cropspot gewinnen. Es werden Chancen und Möglichkeiten aus der Digitalisierung gewonnen, die der konservativen Branche Wind in die Segel bläst und sie für die zukünftigen Anforderungen durch Politik, Gesellschaft und im Sinne der Wirtschaftlichkeit nach Vorne bringt. Das aller Wichtigste hierbei ist diese Möglichkeiten zuzulassen, sich konstruktiv einzubringen und ein wenig Vertrauen in die jenigen zu haben, die neue Wege bereiten, um Wertschöpfung zu generieren. 

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