Hof Woeste, ein innovativer Weg zur regenerativer Landwirtschaft

Schönen guten Tag Marie, zunächst einmal vielen Dank für deine Zeit und deine Bereitschaft dieses Interview zu führen. Beginnend würde ich dich gerne bitten den Hof Woeste vorzustellen.

Vielen Dank für die Möglichkeit ! Unser Hof liegt im Sauerland, genauer in Lüdenscheid und wird schon seit über 600 Jahren von unserer Familie bewirtschaftet. Ein klassischer Traditionshof ist er allerdings nicht. Seit einigen Jahrzehnten werden unsere insgesamt 28ha im Nebenerwerb geführt. Der Fokus liegt hier auf Grünlandbewirtschaftung mit Naturschutzverträgen und extensiven Weihnachtsbaumkulturen. Mein Partner und ich sind nun nach unserem Studium der ökologischen Landwirtschaft vor einigen Monaten zurückgekehrt, um die Landwirtschaft wieder als Vollerwerb zu gestalten und Menschen ernähren zu können. Unser erster Schritt in diese Richtung ist der Aufbau unserer Gemüsegärtnerei.

Wie seid ihr auf die Idee, die zum Start der Crowdfunding Kampagne geführt hat, gekommen?

Als Jungunternehmer*Innen haben wir nicht viel Eigenkapital und wollten uns als Statement zur Regionalität und Nachhaltigkeit nicht von Krediten von großen Banken abhängig machen. Als wir so viel Zuspruch von Menschen in und um Lüdenscheid bekamen, dachten wir uns, dass es ein Versuch wert ist. Und es war ein großer Erfolg für uns ! Die Fundingsumme macht es uns damit möglich ohne weitere Fremdmittel im nächsten Jahr zu starten. Im Nachhinein hat das Crowdfunding uns nicht nur das Kapital ermöglicht, sondern war auch als Marketingmittel wirklich sehr vorteilhaft. Dadurch sind wir in unserer Region sehr bekannt geworden und viele Menschen haben den Weg zu uns gefunden. Durch unsere vielen Patenschaften haben unsere Unterstützer*Innen nun einen Baum oder eine Laufente, die sie uns ermöglicht haben, ein Akt des Aktivismus direkt vor der Haustür !

Was unterscheidet den Hof Woeste von anderen Höfen? Welches landwirtschaftliches Konzept steht hinter eurem Hof? 

Unser Konzept, nach dem wir wirtschaften wollen, ist die regenerative oder aufbauende Landwirtschaft. Wir möchten mit verschiedenen Anbaumethoden gleichzeitig Boden aufbauen, Menschen ernähren und Lebensraum schaffen. Das erreichen wir durch minimale Bodenbearbeitung, permanente Beete und die Integration von mehrjährigem Gemüse und Gehölzen. Unser Ziel ist es der Landwirtschaft wieder eine richtige Option bieten zu können. Der Mensch hat so viel Gestaltungsmöglichkeit und Wissen, dass er Systeme schaffen kann, die sowohl uns als auch die Natur um uns herum ernähren kann. Wir wollen Landwirtschaft und Umweltschutz wieder vereinen – und dabei unsere Region versorgen.

Wollt ihr eine besondere Zielgruppe ansprechen? Wie erreicht ihre diese, sprich welche Vertriebskanäle nutzt der Hof Woeste?

Der erste Schritt war die Gründung unserer solidarischen Landwirtschaft. Ganz platt gesagt ist dies unser Vermarktungsweg. Wir geben im nächsten Jahr unsere ganze Ernte an den Verein Solidarische Landwirtschaft Lüdenscheid ab. Damit kommt unser gesamtes Gemüse, egal wie marktkonform es ist, bei unseren Mitgliedern an. Wir packen Lebensmittelverschwendung damit direkt bei der Wurzel. Und ebenfalls können wir genau planen, wie viele Salate etc. wir anbauen müssen. Unsere Mitglieder zahlen uns für ihren Anteil einen monatlichen Beitrag und bekommen wöchentlich ihr frisches Gemüse.

Aber wir haben damit nicht nur einfache Konsument*Innen an der Hand, sondern eine Gemeinschaft, die bei Ernte- oder Mitmachaktionen mithilft, Überschüsse haltbar macht und gemeinsam viel auf die Beine stellt. Momentan sind wir über 100 Mitglieder in unserem Verein und stetig wachsend ! Besonders durch unsere solidarische Bieterrunde, in der die Anteile vergeben werden, hat jeder Mensch die Möglichkeit unabhängig von der Lebenssituation bei uns frisches Gemüse zu bekommen. So wollen wir auch auf der sozialen Ebene mehr Nachhaltigkeit schaffen.

Abschließend würde uns sehr interessieren, welche Projekte und Ziele ihr für die Zukunft habt, sowie wie Initiativen und Höfe wie der Hof Woeste die Landwirtschaft von morgen verändern können?

Wir starten gerade auf einem halben Hektar. Nach und nach wollen wir den gesamten Hof in eine essbare Landschaft verwandeln. Dazu pflanzen wir schon in diesem Winter weitere Obst- und Nussbäume, die uns langfristig wertvolle Lebensmittel schenken sollen. Aber auch Wirtschaftlichkeit ist uns sehr wichtig. Wir werden alle Flächen mit einer Doppelnutzung versehen : Entweder mit einer weiteren Unterpflanzung, zum Beispiel Säulenobst, Kräuter oder mehrjährigem Gemüse, oder als Weide. Unser Hof soll in Zukunft anderen Landwirt*Innen Mut machen andere Wege zu gehen und zeigen, wie sie es umsetzen können.

Das wollen wir ebenfalls mit unserem Solawi Verein erreichen. Schon jetzt entsteht dadurch ein Netzwerk von Biolandwirt*Innen, die gemeinsam viele Menschen aus unserer Region erreichen.

Ich danke dir sehr herzlich für deine Zeit und wünsche die sowie dem Hof Woeste alles Gute für die Zukunft und weiterhin viel Erfolg.

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