Urbane Landwirtschaft: Vom Kollektivgarten bis zur Mikrofarm

Urbane Landwirtschaft entwickelt sich seit einigen Jahren in Großstädten, weltweit entstehen neue innovative Projekte. Heute schätzen die Vereinten Nationen, dass rund 800 Millionen Menschen in der urbanen Landwirtschaft tätig sind. Das Interesse der Verbraucher wächst, sie sind sich zunehmend der Auswirkungen ihrer Lebensmittelauswahl bewusst und bevorzugen Frische, Qualität und regionale Produkte. Welche Geräte und welche Hilfsmittel gibt es, um einen Beitrag zur lokalen und ökologischen Ökonomie zu leisten und in die urbane Landwirtschaft einzusteigen?  

Der Leitfaden für urbane Landwirtschaft, eine für alle zugängliche Praxis

Verschiedene Arten der Produktion in der Stadt

Urbane Landwirtschaft ist der Anbau von Obst und Gemüse oder die Aufzucht von Tieren in der Stadt. Die Verbraucher insbesondere in der Stadt sind sich zunehmend bewusst, wie wichtig es ist, die Zusammensetzung ihrer Lebensmittel zu überprüfen. Und einige ziehen es vor, ihre eigenen Produkte anzubauen. Es gibt vier Formen der urbanen Landwirtschaft:

– Der Kollektivgarten: Gemeinschafts- oder Familiengärten in Städten oder am Stadtrand

– Die urbane Farm mit kurzen Transportwegen: Sie sind oft Gemüsegärtner und sehr diversifiziert. Dank der Entwicklung der biointensiven Landwirtschaft oder des Freiland- oder Gewächshausanbaus nimmt ihre Größe allmählich ab. Die Lebensmittelproduktion auf diesen Farmen erfolgt über kurze Versorgungsketten.

– Die urbane Mikrofarm: hat die Gestaltung, Verwaltung und den Direktverkauf von Produktionsmitteln zum Ziel, aber auch Sensibilisierung und Bildung. In diese Kategorie fällt die Entwicklung der urbanen Nutztierhaltung wie Öko-Weidehaltung oder Imkerei.

– Die intelligente urbane Farm: Sie nimmt dank der künstlichen Intelligenz der urbanen Landwirtschaft wie Hydroponik, Aquaponik und Aeroponik häufig die Form eines Gewächshauses mit Low- oder High-Tech-Anbaumethoden an. Auch Keller sind dadurch mögliche Anbauorte.

Einschränkungen nach Vorgaben der Gemeinden

Mehrere Gemeinden verbieten oder beschränken die Errichtung bestimmter Infrastrukturen und landwirtschaftlicher Betriebe. Die Regeln für die landwirtschaftliche Produktion in der Stadt fallen unter die Stadtplanungsverordnungen, in Deutschland gibt es grob Gewerbegebiete, Wohngebiete und Mischgebiete. Unter anderem erlaubt die urbane Landwirtschaft in Montreal das Anlegen von Hausgärten, unabhängig von ihrem Standort. Die Stadtverwaltung von Montreal verbietet hingegen systemische Pestizide, die für den Rückgang von Bienenvölkern und anderen bestäubenden Insekten verantwortlich sind. Auch die Größe von Gewächshäusern ist reguliert.  Die Installation eines privaten Gewächshauses darf die Größe eines Schuppens nicht überschreiten, andernfalls gilt es als „gewerbliches“ Gewächshaus, das in der Stadt außer in Industriegebieten nicht erlaubt ist. In Bezug auf Vieh haben mehrere Gemeinden diese Praxis verboten. Aus diesem Grund sind unter anderem Kaninchen, Perlhühner, Hühner, Hähne, Schafe, Ziegen und Schweine aus der urbanen Landwirtschaft verschwunden. Wer in Deutschland, egal ob auf dem Land oder in der Stadt, Honig verkaufen möchte, muss viele Vorschriften beachten: Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB), die Honigverordnung (HonigV), das die Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV), die Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung (LMKV), das Eichgesetz, die Rückstandhöchstmengenverordnung … Wer Mitglied beim Deutschen Imkerbund werden möchte, muss zusätzlich dessen Anforderungen erfüllen. 

Die ersten Schritte in der urbanen Landwirtschaft

Sie möchten Ihren Wohnraum in einen Garten mit Gemüsebeet verwandeln? Dies ist nur ein Beispiel von vielen, aber der urbane Farmer muss wissen, wie er alle Möglichkeiten, die sein Zuhause und die Stadt bieten, nutzen kann. 35 Millionen Deutsche besitzen einen Garten. 79 Prozent der Haushalte haben einen Garten oder einen anderen Außenbereich wie eine Terrasse oder einen Balkon. Und die besonders glücklichen 26 Prozent besitzen beides.

Einen Gemüsegarten in der Stadt anlegen: Wie geht das?

Für den Anfang kann in jeder Ecke Ihres Hauses angebaut werden. Es hängt alles von Ihrem Ziel, Ihrem Budget und Ihrer Zeit ab. Dabei stehen dem Gärtner mehrere gärtnerische Flächen wie der Vorgarten, der Hinterhof, der Balkon, das Dach oder die Küche zur Verfügung. Ob für den Vor- oder Hinterhof, es ist wichtig, die Gesundheit Ihres zukünftigen Ackerlandes sowie die Kontamination von Böden in Ihrer Stadt zu untersuchen, um sich der Qualität Ihrer Erzeugnisse sicher zu sein. Insbesondere, wenn Sie diese vermarkten. Außerdem ist für den Bau oder Umbau eines Gebäudes unter Umständen eine Genehmigung erforderlich, zum Beispiel, wenn Sie Erzeugnisse auf Ihrem Dach anbauen. Wenn Sie sich für die Gestaltung eines Gemüsegartens auf Ihrem Dach entscheiden, zögern Sie nicht, sich an Ihre Gemeinde zu wenden, um sich über die geltenden Vorschriften zu informieren. Egal, ob Sie in einem Haus oder einer Wohnung leben, setzen Sie sich realistische Ziele und nehmen Sie sich die Zeit, sich bei kompetenten Organisationen im Bereich der Gestaltung eines Hausgartens weiterzubilden. Wenn Sie nach einem anderen Ort als Ihrem Wohnraum zum Gärtnern suchen, fragen Sie doch direkt bei ihrer Stadt nach. Es werden immer mehr Gemeinschaftsgärten eröffnet, die in kleine Parzellen geschnitten sind. Wasserzugang und Werkzeugen werden häufig zur Verfügung gestellt. Es gibt auch die Möglichkeit sich in Lehrgärten in Schulen oder Kindertagesstätten zu informieren, auch wenn diese ursprünglich Schülern beibringen sollen, wie man einen Gemüsegarten anlegt und sich mit der urbanen Landwirtschaft vertraut machen soll. In einigen Städten gibt es dank der Initiative der Einwohner auch grüne essbare Alleen und Straßengärten, die in der Regel von Bürgern vor ihren Häusern angelegt werden. Oder sogar Gemeinschaftsobstgärten, um die Anzahl der Obstbäume in einer Gemeinde zu erhöhen.

Wenn Sie Ihre landwirtschaftliche Tätigkeit in der Hydroponik beginnen möchten, benötigen Sie eine spezielle Ausrüstung für eine effiziente Hydroponik:

– Substrat: Tonkugeln oder Kokosfasern

– externer Wassertank für die Nährstoffversorgung  

– externe Wasserpumpen

– Anlage zum Auffangen von Regenwasser

– Gartenbaulampen

– Aktivkohlefilter

– automatisches Kontrollsystem

– Mess- und Dosierinstrumente

– Töpfe für Pflanzen

– Eine Pflanzenschale

– Pfähle und Spaliernetze zum Halten der Pflanzen

– Hydrokulturdünger

Entwicklung Ihrer landwirtschaftlichen Fläche in der Stadt: Welche Geräte sind nötig?

Es gibt kostengünstige und effektive Anbauweisen für den schnellen Einstieg in die landwirtschaftliche Kleinproduktion. Zunächst ist es wichtig, die Qualität des Bodens zu analysieren, um seine Erzeugnisse nicht zu verunreinigen. Der beste Weg, um Zeit zu sparen, sind Hochbeete oder der erdelose Anbau. Sie können in Töpfen, Säcken und anderen Behältern anbauen oder Strukturen mit recyceltem Material bauen. Zum Beispiel können recycelte Dachrinnen zu Anzuchtboxen für rote Früchte werden. Diese Methoden sind besonders effektiv für Gemüse wie Salat, Spinat, Rettich oder Salat. Wenn Sie auf einem Balkon gärtnern, ist die Verwendung von Wasserreservoirs oder Geotextiltaschen ideal, die Sie auch im Winter abdecken können. Wenn Sie sich für eine Kultur im Innenraum oder auf der Fensterbank entscheiden, können Sie eine kleine Nahrungsmittelproduktion im Tageslicht oder mit Unterstützung einer Pflanzenlampe starten. Zögern Sie in Bezug auf die Behälter nicht eine Wasserreservewanne herzustellen, indem Sie einen wasserdichten und perforierten Doppelboden schaffen, um einen Austausch zwischen Erde und Wasser zu gewährleisten. Die Auswahl des Behälters muss entsprechend der Größe der Pflanzen erfolgen. Wenn Sie mehr anbauen möchten, nehmen Sie einen Behälter mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern oder mehr, der mehr Platz für die Wurzeln bietet. Schließlich gibt es beim Gießen zwei weitverbreitete Techniken. Erstens, die Installation einer Tröpfchenbewässerung, um häufig und gezielt zu wässern. Wasserintensive Pflanzen wie Gurken, Paprika, Tomaten und Auberginen sind hierfür besonders geeignet. Bevorzugen Sie die Nutzung von Regenwasser aus einer Regentonne für eine ökologische und ethische Anbauweise. Die einfachste Wahl für Ihren Gemüsegarten ist nach wie vor die manuelle Bewässerung, um die Pflanzen ohne Wasserverdunstung zu bewässern.

Letzte Stufe des Gemüsegartens: Kompostierung

Beginnen Sie damit, sich einen Kompostbehälter zu besorgen, einen sogenannten „Komposter“. Das Mindestvolumen muss einen Kubikmeter betragen, wenn die Zersetzung effektiv sein soll. Sonst wird die Zersetzungstemperatur nicht erreicht. Außerdem muss der Komposter aus Materialien bestehen, die stark genug sind, um einer Zersetzung zu widerstehen. Sie müssen eine fünf Zentimeter hohe Schicht abgestorbener Blätter oder Zweige auf den Boden des Behälters legen, welche Sie sie zunächst mit Grünabfall und dann mit Braunabfall bedecken. Denken Sie daran, Grün- und Braunabfälle zu gleichen Teilen in ihren Komposter zu geben, um eine gute Zersetzung zu gewährleisten.

Tierhaltung in der Stadt

Urbane Imkerei: kollektives Bewusstsein 

Die Imkerei entwickelt sich seit einigen Jahren in der Stadt mit dem kollektiven Bewusstsein für die Bedeutung der Erhaltung bestäubender Insekten in der Nahrungskette. Es ist jedoch wichtig, sich in den inzwischen bewährten Vorgehensweisen fortzubilden, um die Herausforderungen der urbanen Imkerei zu bewältigen. Wenn in der Stadt geimkert wird, erhöht die Nähe der Bienenstöcke tendenziell das Risiko von Krankheiten bei den Bienen. Daher ist es notwendig, zunächst einen geeigneten Ort für die Bienenstöcke auszuwählen und die Nachbarschaft über deren Vorhandensein zu informieren. Der Bienenstock muss mit Ziegeln oder Holzpaletten erhöht werden, um ihn vor Feuchtigkeit zu schützen. Es empfiehlt sich, seinen Standort vor Wind zu schützen und zwischen Schatten und Sonne abzuwechseln. Planen Sie für die Ausrüstung ein Budget von ca. 600 € für Schutzkleidung, Imkereiwerkzeuge, Absauggeräte ein.

Hühnerzucht in der Stadt

Wir denken oft, dass sich die Aufzucht von Hühnern mit dem Land reimt, aber die Rückkehr der Hühner in die Stadt erfolgt Schritt für Schritt. Die Geflügelzucht gehörte aus hygienischen Gründen sowie zur Reduzierung der Lärmbelästigung nicht mehr in die Stadt. Heute erleben wir in der Stadt eine drastische Konsumwende mit Rückbesinnung auf heimische Tierzucht und neuem Respekt für Tier und Umwelt. Bevor Sie überhaupt über die Ausstattung und den Kauf von Hühnern nachdenken, müssen Sie die Zustimmung bei der Gemeinde einholen und sich über geltende Vorschriften informieren. Besorgen Sie sich ein ausreichend großes Innen- und Außengehege, um alle Tiere unterzubringen. Der Stall sollte einen einfachen Zugang haben, um eine gründliche Reinigung, problemloses Eier sammeln und Kontrollbesuche zu ermöglichen. Ein Schlafplatz und ein Nest beugen Gesundheitsproblemen bei den Tieren vor. Statten Sie Ihren Hühnerstall schließlich mit einem Futtertrog und einer Tränke aus. Zusammenfassend benötigen die Tiere:

– Wasser und hochwertige Nahrung und in ausreichender Menge.

– Bauen Sie einen einwandfreien und soliden Hühnerstall, um den Ansprüchen an eine professionelle Produktion gerecht zu werden.

– Schützen Sie Tiere vor Hitze im Sommer oder Kälte im Winter, aber auch vor schlechtem Wetter.

– Schreiben Sie eine Liste der notwendigen Behandlungen für die Tiere im Falle von Krankheit oder Verletzung.

Insgesamt reduziert urbane Landwirtschaft die Umweltverschmutzung durch lokale Produktion und weniger Transport dank der flächenbezogenen Selbstversorgung innerhalb einer Stadt. Außerdem verbessern die Pflanzen die Qualität des Bodens und reduzieren den CO₂-Ausstoß. Schließlich zögern die kollektive urbane Landwirtschaft und die Landwirtschaftskammer nicht, landwirtschaftliches Wissen mit Uneingeweihten und der jungen Generation in Schulen zu teilen, um kurze Transportwege durch die lokale Landwirtschaft bekannter zu machen.

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