Konservierende Bodenbearbeitung – die Lösung aller Probleme?

Die Geschichte der konservierenden Bodenbearbeitung

Seit Hunderten von Jahren wird in den meisten landwirtschaftlichen Betrieben gepflügt, um die ersten Schichten des Ackerlandes umzubrechen und die Kulturen auszusäen. Doch im Laufe der 1950er-Jahre kam in Australien und den Vereinigten Staaten eine neue Technik auf, die konservierende Bodenbearbeitung. Sie bestand darin, die obersten Bodenschichten so wenig wie möglich oder gar nicht mehr zu bearbeiten und so das Pflügen abzuschaffen.

Der Begriff konservierende Bodenbearbeitung wurde 1997 auf einer Konferenz der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) eingeführt. Vorangetrieben von technischen und agrarwissenschaftlichen Studien und einem Fortschritt in der Technologie hat sich die konservierende Bodenbearbeitung stark weiterentwickelt.

Wir können heute die bodenerhaltende Landwirtschaft wie folgt definieren:

“Gesamtheit der Anbautechniken, die darauf abzielen, das landwirtschaftliche Potenzial der Ackerflächen zu erhalten oder zu verbessern und gleichzeitig einen guten Ertrag auf technischer, agrarwissenschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene zu erzielen”.

Konservierende Bodenbearbeitung in der Praxis

Die ultimative Herausforderung der konservierenden Bodenbearbeitung besteht darin, den Boden so wenig wie möglich zu bearbeiten. So kann er eine natürliche Bodenstruktur und einen hohen Humusgehalt beibehalten. Die landwirtschaftlichen Betriebe in diesem System arbeiten meist auf einem bedeckten Boden (von Pflanzen) mit einer Direktsaatmaschine.

Diese Sämaschine bringt den Samen der Hauptfrucht in die Pflanzendecke ein, indem sie die Erde so wenig wie möglich bewegt. Die Pflanzendecke, in die die Hauptfrucht eingepflanzt wird, wird vor oder nach dem Durchgang der Sämaschine beseitigt. Dabei gibt es folgende Optionen: 

  • Chemisch durch Herbizide
  • Mechanisch zum Beispiel durch Mulchen,
  • Natürlich durch Frost am Ende des Winters oder zu Beginn des Frühlings.

In technisch anspruchsvolleren Fällen wird die Bodenbedeckung von den Landwirten so angelegt, dass ein Sortenmix entsteht, der gleichzeitig den Boden durch sein Wurzelsystem verbessert:

  • Wurzelknollen: Auflockerung der Erde (Futterrettich, chinesischer Rettich …)
  • Faserwurzeln: Auflockerung des Ackerlandes und Krümelung des Bodens (Phacelia, Klee etc.) 

Einige Pflanzen in der Bodenbedeckung haben auch den Zweck, Stickstoff in den Boden zu bringen, z. B. Hülsenfrüchte. Nach ihrer Zerstörung geben die Knöllchen Stickstoff in den Boden ab, der für die nächste Kultur genutzt wird.

Alle diese Techniken ermöglichen somit den Aufbau einer obersten Erdschicht, die reich an organischen Stoffen ist. Je mehr sich die Bodenbedeckung entwickelt und je mehr Material vorhanden ist, desto mehr organische Substanz sammelt sich im Laufe der Jahre an. Aus diesem Grund ermöglicht die geschaffene organische Substanz eine bessere Aufnahme von Mineralien. Sie gewährleistet aber auch eine gute Stickstoff- und Wasserspeicherung.

Vorteile der konservierenden Bodenbearbeitung 

Die Einführung eines nicht wendenden Bodenbearbeitungssystems hat viele Vorteile für einen Betrieb. 

 Tatsächlich ermöglicht die konservierende Bodenbearbeitung: 

  • Die Errichtung einer nachhaltigen Anbauweise durch den Aufbau eines Bodens, der reich an organischer Substanz ist. Daher ist er ebenfalls reich an Tieren, Pflanzen und Nährstoffen, die von der Pflanze genutzt werden können. Häufig sieht man, dass Betriebe, die auf Erhaltungssaat umgestellt haben, innerhalb von drei Jahren nach Anwendung des Systems einen höheren Anteil an organischer Substanz aufweisen. Die Böden sind reicher an Mikroorganismen, Pilzen und anderen bodenbewohnenden Lebewesen. 
  • Eine Kostenersparnis: Langfristig führt die Erhaltung zu einer Verringerung der finanziellen Belastungen für die Betriebe. Denn das Pflügen ist eine Technik, die einen Betrieb viel Geld kostet. Dies vor allen Dingen, weil die Kosten für die Mechanisierung oder den Dieselverbrauch für den Landwirt immer teurer werden. 
  • Die beim Bodenerhaltungssystem häufig verwendete Bodenbedeckung ist heute ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Eine richtig ausgewählte Bodenbedeckung verbessert die Struktur und Tragfähigkeit des Bodens, wenn dieser richtig bearbeitet wird. Sie ermöglicht auch eine gute Diversifizierung der Kulturen auf dem bewirtschafteten Boden.
  • Zeitersparnis ist auch ein Aspekt, der bei diesem System berücksichtigt werden muss, da Pflügen oder andere Formen der Bodenbearbeitung zeitaufwendig sind. Die Verringerung der Arbeitsschritte auf der Parzelle ermöglicht somit eine Verringerung der Arbeitszeit des Landwirts.
  • Eine Verringerung der Erosion durch Wasser und Wind ist ein weiter positiver Aspekt. Wenn der Boden zu jeder Jahreszeit mit Pflanzen bedeckt ist, wird die Erosion der oberflächlichen und brüchigen Bodenschichten verhindert. Die Wurzeln der Pflanzen dienen somit dazu, den Boden zu erhalten.
  • Organisches Material, Fauna und Flora sowie Mikroorganismen sorgen außerdem dafür, dass Wasser bei Dürren besser zurückgehalten wird. Diese Faktoren führen zu einer besseren Bodenqualität und ermöglichen die Entwicklung eines größeren pflanzenverfügbaren Wasserspeichers im Boden und damit eine bessere Bodenfruchtbarkeit.
  • Das System der Bodenerhaltung ist ein System, von dem bekannt ist, dass es aufgrund von Bodenbedeckung, Nicht-Pflügen und einem hohen Anteil an organischer Substanz eine bessere Kohlenstoffbindung aufweist. 

Im Großen und Ganzen hat die konservierende Bodenbearbeitung viele Vorteile für den Landwirt. Der nachhaltig bearbeitete Boden ist auch gut für die Umwelt. Wir können bei diesem System aber auch einige Nachteile feststellen. 

Nachteile der konservierenden Bodenbearbeitung

Kein System ist perfekt und so hat auch die konservierende Bodenbearbeitung ihre Nachteile.

  •  Die Kosten für den Umstieg auf das System sind zu Beginn relativ hoch und die Umsetzung ist manchmal kompliziert, bis sich der Boden angepasst hat. Es wird oft gesagt, dass es drei bis fünf Jahre dauert, bis sich ein Betrieb auf das System eingespielt hat. Dies kann kurzfristig zu wirtschaftlichen Verlusten auf dem Bauernhof führen. 
  • Die Kosten für die Ausrüstung: Zu Beginn des Umstiegs sind die Investitionen in eine Direktsaatmaschine oder andere Geräte wie einen Stripp-Till kostenintensiv. Eine gute 3-Meter Direktsaatmaschine kann um die 100.000 € kosten und im Laufe der Zeit kommen weitere Kosten für die Instandhaltung zum Bespiel mit Ersatzteilen hinzu.
  • Die Zerstörung von Bodenbedeckung im Frühjahr zur Anpflanzung von Kulturpflanzen kann mit Herbiziden erfolgen, wenn diese zuvor nicht ordnungsgemäß beseitigt wird.
  • Auch die Unkrautregulierung kann problematisch sein, da das Nicht-Wenden des Bodens dazu führen kann, dass sich ein Unkrautbestand in der Fläche bildet, der nie durch Pflügen (alle 4 oder 5 Jahre) zerstört wird (etwa Wiesenfuchsschwanz und Weidelgras, die schwer zu bekämpfen sind).

Man kann also sehen, dass die konservierende Bodenbearbeitung mehr Vor- als Nachteile hat. Je nach Arbeitsweise, Anbaugebiet und Boden- und Klimakontext können die genannten Punkte variieren oder weitere positive oder negative Aspekte auftreten. 

Konservierende Bodenbearbeitung im Vergleich zu anderen Anbautechniken

Jedes System wird von seinen Befürwortern verteidigt und von seinen Kritikern infrage gestellt. Es ist schwierig, alle landwirtschaftlichen Anbautechniken zu verallgemeinern und eins als das Beste auszuwählen. Die Regionen und die Boden- und Klimakontexte sind so vielfältig, dass nur der Landwirt vor Ort in der Lage sein kann, das System zu wählen, welches am besten zu seiner Region und seinem Betrieb passt. 

In jedem Fall dürfen wir aber nicht vergessen, dass die Bodenerhaltung, wenn sie in einem Betrieb möglich ist, die Einführung eines sogenannten “agrarökologischen” Systems ermöglicht. So wird nicht nur der Boden geschützt, sondern auch die Artenvielfalt erhöht, was auch der Umwelt gut tut. 

Wir können nicht sagen, dass das verschiedene Formen der Direktsaat oder das nicht jährliche Pflügen (alle 3, 4 oder 5) schädlich für den Boden und die Umwelt sind. Es ist daher wichtig, jedes agrarwissenschaftlich-technische, wirtschaftliche und ökologische Argument sowie die Zeitersparnis abzuwägen, um entsprechend seinem Betrieb und dem spezifischen Kontext das beste System für die Nachhaltigkeit seines Betriebs auszuwählen. 

Hilfen und Informationen über die konservierende Bodenbearbeitung

Bei der konservierenden Bodenbearbeitung handelt es sich um ein sogenanntes agrarökologisches System, das gut für die Umwelt ist. Es ist ökonomisch interessant und dient dem Bodenschutz. Darum werden auf Ebene der Bundesländer Versuchsreihen durchgeführt, um den Landwirten bei der Umstellung auf dieses System möglichst viele Informationen mit an die Hand zu geben.

Die Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung e. V. (GKB) bietet ebenfalls eine umfassende Hilfestellung bei der Umstellung. Der Verein arbeitet mit der EU zusammen an verschiedenen Projekten im Rahmen der Innovationspartnerschaft „Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft (EIP Agri)“ und will zusätzlich den Landwirten und anderen Akteuren den Erfahrungsaustausch ermöglichen.

Die Zukunft der konservierenden Bodenbearbeitung

Die Zukunft der konservierenden Bodenbearbeitung ist vielversprechend. Da die Rohstoffpreise in die Höhe schnellen, wird die Senkung der Kosten auf den Betrieben im Mittelpunkt der Strategien der landwirtschaftlichen Anbauweisen stehen. Außerdem werden die Umweltambitionen öffentlicher Stellen die Umstellung auf Systeme mit hohem Kohlenstoffspeicherwert und Umweltfreundlichkeit zunehmend vorantreiben.

Dennoch kann die agrarwissenschaftliche Zukunft in einigen Regionen unserer Länder gefährdet sein. Wir können beobachten, dass die Sommer immer trockener werden. 

Dürren häufen sich im Laufe der Jahre in immer mehr Regionen der Welt. Dies führt nach der Ernte zu Schwierigkeiten beim Einbringen von Deckfrüchten aufgrund von Wassermangel und somit zu einer schlechten Keimung der Deckfruchtsamen. Ohne gute Bodenbedeckung ist die konservierende Bodenbearbeitung gefährdet und einige Bauern haben Schwierigkeiten bei der Aussaat ihrer Deckfrüchte. Dies bremst das Umstellen auf die konservierende Bodenbearbeitung. 

Die konservierende Bodenbearbeitung ist heute ein agrarökologischer und ökologischer Hebel, der eine Lösung für die Verringerung des menschlichen Einflusses auf natürliche und landwirtschaftliche Systeme sein kann. Sie ermöglicht es der Landwirtschaft somit letztlich, einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der globalen Erwärmung zu leisten. Wenn das Klima den Landwirten in den kommenden Jahren in einigen Regionen weiterhin gnädig gestimmt ist, hat die konservierende Bodenbearbeitung eine Zukunft. 

Darüber hinaus ermöglicht die Einführung dieses Systems über die agrarwissenschaftlichen Entwicklungen hinaus auch technische und technologische Fortschritte in der Maschinentechnik. Denn dieses System wird auch die Türen zu neuen Entdeckungen im Maschinenbau aufstoßen, und mit den Jahren der Entdeckung wird sich dieses System auch verbessern und vielleicht in jeder Hinsicht immer leistungsfähiger werden.

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