Alles, was Sie über das Melken wissen müssen

Das Melken von Kühen

Seit Hunderten von Jahren sind Milchprodukte Teil unserer Ernährung. Für ihre Herstellung benötigen wir Milchviehherden, hier melken wir in Deutschland neben anderen Tieren vor allem Kühe. Milch ist eine der ersten Nahrungsquellen für Säuglinge, wenn die Muttermilch ersetzt wird.

Und auch als Erwachsene konsumieren wir verschiedenste Milchprodukte: von Butter über Käse bis zu Joghurt. 

Europa ist einer der größten Milchproduzenten. Die Produktion und die Betriebe haben sich in den letzten 100 Jahren immer weiter modernisiert: vom Handmelken zum Robotermelken und von Betrieben mit etwa zehn Kühen zu Betrieben mit mehr als 100 Kühen.

Neben den technischen Verbesserungen hat eine geplante Zucht dazu beigetragen, dass von einer Kuh heute etwa 40 Liter Milch pro Tag gemolken werden kann. Ursprünglich waren es nur etwa 10 Liter.

Beim Melken wird während der Laktation die Milch aus dem Euter entnommen. Dieser Prozess beginnt mit der Geburt eines Kalbes und dauert 305 Tage. 

Damit eine Kuh Milch produziert, muss sie also ein Kalb zur Welt bringen.

Die Haltungs- und Melksysteme und der Futterbedarf sind von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich. 

In diesem Artikel werden zwei Arten von Melksystemen vorgestellt: konventionelle Melkstände in Form eines Fischgrätenmelkstands oder eines Melkkarussells und der Melkroboter.

Historisch gesehen hat sich die technische Leistung von Melkmaschinen in den letzten 50 Jahren stetig weiterentwickelt. Durch den technologischen Wandel und eine große Anzahl an Melkausrüstung hat sich das Melken verändert. Früher haben die meisten Landwirte von Hand gemolken, doch mit der Entwicklung der Vakuumpumpe wurden Rampen in den Ställen eingeführt.

Es folgten die Entwicklung von Fischgrätenmelkständen und Melkkarussellen und seit 1990 die technologische Entwicklung des automatischen Robotermelkens.

Melken mit Melkstand und Melkkarussell: Wie funktioniert das eigentlich?

Das Funktionsprinzip eines Melkstandes ist einfach. Es wird eine Melkmaschine verwendet. Ein Motor treibt eine Vakuumpumpe an, die in den Schläuchen einen Unterdruck (Vakuum) erzeugt. Hierdurch entsteht in den Melkbechern, die durch die Zitzen mit den Eutern verbunden sind, ein Sog. Die Milch wird abgezogen und dann in einem Tank gelagert. 

Das Melken im Melkstand oder im Melkkarussell erfordert menschliches Eingreifen beim Ansetzen der Melkbecher am Euter.

Einige Melkstände sind mit einer automatischen Abschaltung ausgestattet, d. h., wenn die Kuh keine Milch mehr hat, löst sich das Melkzeug automatisch vom Euter, ohne dem Tier Schmerzen zu bereiten. 

In den meisten Betrieben wird zweimal am Tag gemolken, früh am Morgen und am späten Nachmittag. 

Vor- und Nachteile beim Melken mit Melkstand und Melkkarussell 

Im Folgenden werden die Vor- und Nachteile des Melkens im Melkstand erläutert.

Die Vorteile:

  • Es wird zweimal am Tag gemolken, und während dieser Zeit kann der Landwirt die Tiere direkt in der Melkgrube versorgen, ohne das Tier tagsüber absondern zu müssen (zum Beispiel für eine Mastitisbehandlung).
  • Der Landwirt hat mehr Nähe zu den Tieren und kann im direkten Kontakt mit der Kuh sehen, welche Probleme sie haben könnte. Und damit auch sie zu behandeln oder rechtzeitig einzugreifen, falls nötig. 
  • Sobald die zwei Melkzeiten vorbei sind, sind die Eingriffe in die Herde weniger wiederkehrend als beim Robotermelksystem. Denn nach der Pflege im Melkstand muss der Landwirt nicht tagsüber, sondern nur abends noch einmal nacharbeiten, wodurch Mehrfacharbeit vermieden wird.

Nachteile:

  • Der Landwirt ist verpflichtet, während der Melkzeit auf seinem Betrieb anwesend zu sein. Wenn er auf dem Feld oder bei einer Besprechung ist, muss er also für seine Melkdienste wiederkommen.
  • Auch körperliche Belastungen und Schmerzen in Schultern, Händen, Armen und Rücken sind bei der Wahl des Melksystems zu berücksichtigen. Denn nach mehreren Jahren neigen die Melker oft zu körperlichen Beschwerden.
  • Beim Melken muss, wie zuvor erwähnt, eine Person in der Melkgrube anwesend sein. So kommt es in diesem Melksystem gelegentlich zu Unfällen durch Tritte oder zu anderen Verletzungen.

Der Melkstand ist nach wie vor eines der bevorzugten Systeme für Landwirte, die den direkten Kontakt mit dem Tier lieben. Heute entscheiden sich viele Bauernhöfe trotz der Zwänge der Milchviehhaltung dafür, so nah wie möglich bei ihren Tieren zu sein und wählen daher das Melkstandsystem. 

Der Melkroboter: Wie funktioniert automatisches Melken?

Seit seiner Vorstellung als Prototyp im Jahr 1989 auf der SIMA hat der Melkroboter einen Teil der europäischen Landwirte begeistert. 

Ein Melkroboter ist eine elektrische Anlage, die fortschrittliche Erkennungs- und Robotertechnologien verwendet. Dies ermöglicht das selbstständige Melken der Kühe.

Ein Roboter verfügt wie ein Melkstand über ein Vakuumsystem, mit dem er die Milch aus dem Euter der Kuh absaugen kann. Die meisten Roboter verfügen über einen mechanischen Arm, dessen Lasersensoren oder Kameras die Melkbecher auf die Zitzen der Kuh setzen.

Der Roboter hat nur einen Melkplatz. Normalerweise gehen die Kühe, wenn sie richtig trainiert sind, freiwillig in den Robotermelkstand.

Aber auch Lockangebote mit Futter funktionieren bei automatischen Melksystemen gut.

Melkroboter sind technologische Hochleistungsgeräte, die es ermöglichen, die Herde sowie das einzelne Tier und seine Milchqualität in Echtzeit zu verfolgen. Durch die Leitfähigkeit kann man jederzeit die Qualität der Kuhmilch erkennen und so Kühe mit Euterproblemen (zum Beispiel Mastitis) durch Warnsignale identifizieren.

Vor- und Nachteile beim Melken mit Melkrobotern: 

Im Folgenden werden die Vor- und Nachteile des Roboters erläutert:

Die Vorteile:

  • Der Melkroboter bietet den Landwirten mehr Flexibilität, sie müssen nicht mehr zwei Mal am Tag zu festen Zeiten melken. 
  • Es ermöglicht eine einheitliche Überwachung der Herde mithilfe technologischer Hilfsmittel zum Herdenmanagement. 
  • Es ermöglicht dem Melker, die körperliche und physische Belastung zu verringern und vermeidet somit langfristig Schmerzen.
  • Technologische Hilfsmittel und ADOs (Decision Support Tools) können eine bessere Verwaltung des Viehbestands ermöglichen. 
  • Der Roboter läuft rund um die Uhr und ermöglicht das Melken den ganzen Tag über.
  • Automatisierte Desinfektion der Klauen zwischen den einzelnen Tieren, wodurch die Übertragung von Krankheiten zwischen den Kühen verringert wird. 

Nachteile:

  • Der Roboter zwingt den Landwirt, den ganzen Tag über in Alarmbereitschaft zu sein. Er kann durch einen Alarm auf dem Smartphone jederzeit gewarnt werden, dass ein Problem mit der Maschine vorliegt. Somit muss der Landwirt in der Nähe des Betriebs bleiben.
  • Kühe mit Problemen (Euterinfektionen, Gesundheitsprobleme …) werden automatisch nach dem Melken vom Roboter aussortiert. Diese Sortierung wird entweder von der künstlichen Intelligenz oder vom Landwirt entschieden, aber in jedem Fall muss der Landwirt nach dem Melken seine Kuh behandeln. Er muss daher nach dem Melken erneut an seinen Tieren eingreifen.
  • Störungen an Melkrobotern sind oft teurer als im Melkstand.
  • Wenn die Kühe an den Roboter gewöhnt sind, geht der Großteil der Herde ohne menschliches Eingreifen zum Melken. Trotzdem geht ein kleiner Teil der Kühe nicht freiwillig zum Robotermelkstand. Der Landwirt muss daher immer wieder nicht gemolkene Kühe identifizieren und zurückbringen.
  • Die Kühe müssen richtig an den Robotermelkstand gewöhnt werden, damit sie regelmäßig zum Melken gehen. 

Mit anderen Melksystemen melken

Die verschiedenen Melksysteme lassen sich je nach Betrieb ans Herdenmanagement anpassen. Bei Boxenlaufställen oder Tretmistställen sind Roboter und Melkstand zwei Vorgehensweisen, die mit der Milchproduktion vereinbar sind. Bei dieser Art der Produktion bleibt die Wahl der Anlage im Ermessen des Landwirts. 

Bei anderen Systemen, wie bei der häufig im ökologischen Landbau eingesetzten dynamischen Umtriebsweide, ist der Erfolg des automatischen Melkens nicht garantiert. Denn der tröpfchenweise Durchgang der Tiere rund um die Uhr macht es nicht einfach, die Rotation der Tiere auf der Wiese zu organisieren. Wenn der Landwirt die Rotation jedoch richtig organisiert, kann der Roboter auch bei dynamischer Umtriebsweide ein Vorteil sein. Die Rotation auf den verschiedenen Koppeln muss der Landwirt vorher ausarbeiten, um sie an das Robotermelksystem anzupassen. Einige Landwirte teilen ihre Herde in Gruppen auf, um eine leistungsfähige Rotation auf jeder Koppel zu ermöglichen und so das Gras maximal zu verwerten. 

Es ist nicht unwichtig, sich vorzustellen, wie sich das betriebseigene Produktionssystem im Laufe der Jahre verändern könnte. Hierbei müssen außerdem die Anschaffungskosten der Anlagen berücksichtigt werden. Ist eine Weiternutzung auch bei Veränderungen möglich? 

Die wirtschaftlichen Kosten beim Melken mit verschiedenen Systemen: 

Das Robotermelksystem und das Melkstand- oder Melkkarussellsystem sind Anlagen, deren Anschaffung teuer ist. Denn neben den Kosten für die Maschine kommen auch noch die Installationskosten hinzu. Die Bauarbeiten und der Einbau müssen ebenfalls gut geplant werden (zum Beispiel Wasser- oder Stromzuführungen). 

Insgesamt ist der Melkroboter die teurere Anlage, wenn man sie allein und ohne Einbauarbeiten betrachtet. In der Tat können die Kosten für eine neue Maschine heute bei 150.000 bis 200.000 € für Roboter der neuesten Generation liegen. Beim Melkstand sind die Kosten für die Maschine an sich immer noch etwas niedriger als für den Roboter und liegen bei etwa 70.000 bis 120.000 € (je nach Größe) für die teuersten Maschinen. Bei Melkständen und Melkkarussellen wird allerdings fast immer ein eigenes Gebäude benötigt. Eine Integration in bestehende Gebäude ist schwierig. Die Gesamtkosten belaufen sich circa auf 11.000 bis 16.000 € pro Melkplatz. 

Unabhängig vom Melksystem bleibt die Auswahl dem guten Willen des Landwirts überlassen und die Anpassungsfähigkeit der Ausrüstung an den Betrieb. Die Amortisation dieser Ausrüstung und der Milchviehherde sind ebenfalls Faktoren, die bei der Auswahl der Ausrüstung hinderlich sein können.

Für weitere Informationen können Ihnen die Techniker und Betriebsberater bei der Auswahl Ihres Systems behilflich sein. Es gibt auch sehr viel Literatur und Videos, die Ihnen bei Ihrer Entscheidung helfen können. 

Leave a Reply

Your email address will not be published.